Neue Studie: „Beratungsangebote für Betroffene von antimuslimischem Rassismus”

Neue Studie: „Beratungsangebote für Betroffene von antimuslimischem Rassismus”

23. März 2021

Übergriffe auf Muslim*innen haben in den letzten fünf Jahren zugenommen und sind aggressiver geworden. Jedoch nur 4 von bundesweit befragten 79 Beratungsstellen für Betroffene von Rassismus weisen eine spezifische Ausrichtung auf Betroffene von antimuslimischem Rassismus auf. Generell verfügen die Beratungsstellen über zu wenig personelle Ressourcen. Das ist ein zentrales Ergebnis der neuen Studie zu „Beratungsangeboten für Betroffene von antimuslimischem Rassismus, die von CLAIM im Rahmen des Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit entstanden ist. Die Autor*innen Güzin Ceyhan (CLAIM) und Dr. Jenni Winterhagen (bewirken) präsentierten heute einem Fachpublikum die wesentlichen Ergebnisse und Empfehlungen.

55 Prozent der befragten Organisationen geben laut der Studie an, kein Verfahren zu haben, um festzustellen, ob eine Person von antimuslimischem Rassismus betroffen ist. Das hat vor allem Implikationen für die Erfassung und die Dokumentation gemeldeter Fälle. Eine Erfassung und eine Klassifizierung der Fälle im Hinblick auf das Motiv sind dringend notwendig, um auch das tatsächliche Ausmaß von Rassismus und seinen unterschiedlichen Ausprägungen abzubilden. Offizielle Zahlen geben bisher nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes von Rassismus in Deutschland wieder. So liegt die tatsächliche Zahl der antimuslimischen Vorfälle laut Expert*innen deutlich höher. Das Dunkelfeld ist groß.

Rima Hanano, stellvertretende Leitung von CLAIM „Alleine die im Rahmen der Studie befragten Beratungsstellen melden für 2019 bundesweit rund 1.280 antimuslimisch motivierte Übergriffe bzw. Diskriminierungen – obwohl nur die Hälfte der Stellen antimuslimischen Rassismus erfasst und nur ein Teil der befragten Stellen Angaben zu Fallzahlen gemacht hat. Diese Zahl lässt nur erahnen, wie virulent das Problem von antimuslimisch motivierten Diskriminierungen und Übergriffen in Deutschland tatsächlich ist.“

Neben der Analyse der Beratungslandschaft für Betroffene von antimuslimischem Rassismus in Deutschland liefert die Kurzstudie Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Zentrale Handlungsbedarfe sind:

1.     Mehr auf antimuslimischen Rassismus spezialisierte Beratungs- und Personalstellen schaffen.

2.     Auf antimuslimischen Rassismus spezialisierte Organisationen strukturell ausbauen und nachhaltige Förderung sichern.

3.     Betroffene von antimuslimischem Rassismus über ihre Rechte informieren.

4.     Beratungsstellen sollten antimuslimischen Rassismus in der Außendarstellung explizit adressieren.

5.     Dokumentation und Verfahren zu antimuslimischem Rassismus innerhalb der Beratungsstellen vereinheitlichen.

Die Studie zeigt insgesamt, dass vorhandene Beratungsstellen über wenig Ressourcen verfügen und etwa die Hälfte der untersuchten Stellen kurzfristig finanziert ist. „Die Ergebnisse der Studie zeigen bestehende Lücken in der Beratungslandschaft auf und machen deutlich, dass ein struktureller Ausbau und eine nachhaltige Finanzierung von existierenden Beratungsstellen dringend nötig sind, um strukturellem Rassismus etwas entgegen zu setzen. Die Unterstützung von Betroffenen ist wesentlich, um diskriminierende Strukturen aufbrechen, die Rechte von Rassismus betroffenen Menschen durchsetzen und ihre gleichberechtigte Teilhabe gewährleisten zu können“, so Rima Hanano.