So war’s beim 4. Netzwerktreffen der CLAIM Allianz

So war’s beim 4. Netzwerktreffen der CLAIM Allianz

29. Oktober 2020

Für unser viertes Netzwerktreffen der CLAIM Allianz sind in diesem Jahr 50 Vertreter*innen der derzeit rund 40 Allianzmitglieder und weitere Projektpartner*innen und Neuinteressierte aus dem gesamten Bundesgebiet zusammenkommen, um sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und neue Impulse für die gemeinsame Arbeit gegen antimuslimischen Rassismus mitzunehmen. Das jährliche Treffen ist wichtig für die Weiterentwicklung und Stärkung der Allianz und so waren alle Teilnehmenden froh darüber, dass wir das Treffen nach einer coronabedingten Verschiebung doch noch als Präsenzveranstaltung unter Einhaltung eines Hygienekonzeptes am 01. und 02. Oktober umsetzen konnten.

„Hoch lebe die Diversität auch in homogenisierten Gruppen.“

Im Zentrum der zwei Tage standen die Themen Datenerfassung von antimuslimisch motivierten Übergriffen, Antimuslimischer Rassismus im Bildungskontext sowie die strategische Kommunikation gegenüber der „Mitte der Gesellschaft“. Bevor wir uns diesen großen Themenkomplexen im Rahmen von Workshops, Input-Vorträgen und einem World Café widmeten, hat Saraya Gomis (Referentin für Opferschutz bei der Landeskommission Berlin gegen Gewalt,
ehrenamtliches Vorstandsmitglied bei EOTO e. V.) mit ihrer Keynote unter der Überschrift „Rassismusdebatten intersektional führen“ den Teilnehmenden kraftvolle und inspirierende Gedanken auf den Weg gegeben. Insbesondere der von ihr gebrauchte Begriff der „Kompliz*innenschaft“ prägte die zwei Tage: Anders als der Begriff ‚Verbündete‘ hebe er stärker hervor, dass es für die Überwindung der allgegenwärtigen strukturell- und sozial-manifestierten Rassismen mehr als Solidaritätsbekundungen braucht.

Wir sehen in unserer Allianz und dem erweitertem Netzwerk die Möglichkeit als solche Kompliz*innen zu fungieren, wenn wir die Bedeutung intersektionalen Handelns anerkennen und in unsere Arbeitsweise implementieren. Gomis hat dafür appelliert, dass wir Diskriminierung im Sinne von Intersektionalität auch innerhalb von diskriminierten Gruppen bekämpfen, Ungleichheit innerhalb von Ungleichheiten adressieren und Minderheiten innerhalb von Minderheiten schützen müssen. In diesem Sinne schloss Saraya Gomis ihre Keynote mit dem Aufruf „Hoch lebe die Diversität auch in homogenisierten Gruppen.“ Diese Gedanken und der damit verbundene Aufruf begleiteten uns fortwährend in allen Arbeitsgruppen und Impulsen des Netzwerktreffens.

Weiterentwicklung gemeinsamer Schwerpunktthemen

In einer dreistündigen AG-Phase Tages kamen die bereits etablierten AGs zum Themenfeld „Antimuslimischer Rassismus im Bildungskontext“ und „Datensammlung von antimuslimisch motivierten Übergriffen“ zusammen, während sich unter der Überschrift „Strategische Kommunikation bei Slander- und Hate Speech“ auf dem Netzwerktreffen eine weitere Arbeitsgruppe neu formierte.

Die Frage, mit welchen Kommunikationsstrategien man die sogenannte „bewegliche Mitte“ für unsere Themen erreichen kann, bildeten den Fokus am zweiten Veranstaltungstag. Corey Saylor von ReThink Media aus den USA eröffnete den Tag mit einer Keynote per Videobotschaft, in der er uns anhand seiner langjährigen Praxiserfahrung die Kernelemente für eine erfolgreiche Kampagne erläuterte. Zwei zentrale Voraussetzungen hierfür sind: 1) Kenne Deine Zielgruppe und 2) Baue ein (Unterstützer-)Netzwerk auf.

Diese Kernelemente hat auch das Team des International Centers for Policy Advocacy (ICPA) in ihren anschließenden Inputs und einem Austausch im Panel betont – insbesondere mit Blick auf ihre bisherigen Kampagnenerfahrungen in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Mit ICPA werden wir als Allianz in den kommenden Monaten und Jahren intensiv im Rahmen ihres Modellprojekt „RESET: Neue Strategische Kommunikation zur Neusetzung des Islam-Narrativs in Deutschland“ zusammenarbeiten. Ziel dabei ist, mit einer größeren, vereinten Stimme in Form von Kampagnen und anderen Angeboten an die Öffentlichkeit zu treten und der Mitte der Gesellschaft ein differenzierteres, positiveres Islam-Narrativ anzubieten und sie darüber über Antimuslimischen Rassismus zu sensibilisieren. Dies wird ein langer Prozess, auf den wir sehr gespannt sind und an dem sich viele Allianzmitglieder beteiligen werden.

Die Allianz begrüßt den neuen Delegiertenkreis

Das Netzwerktreffen wurde auch diesmal genutzt, um einen neuen Delegiertenkreis zu ernennen und die bisherigen Delegierten mit großem Dank von ihrer Verantwortung zu entlassen. Die Delegierten fungieren als Schnittstelle zwischen den bundesweit verteilten Mitgliederorganisationen und dem Projektbüro in Berlin und sorgen für verschlankte und effizientere Kommunikationswege. Zudem bringen sie auf den 2-3 Treffen pro Jahr Impulse sowie ihre inhaltliche und lokale Expertise ein. Um eine möglichst große regionale Parität abzubilden, besteht der Delegiertenkreis aus je zwei Vertreter*innen der Regionen Berlin und Nord-West, in denen der Großteil der Mitgliederorganisationen ihren Sitz haben, sowie je ein*e Vertreter*in aus den Regionen Ost und Süd.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Delegierten, die uns 2019/2020 begleitet haben: Inssan, Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), Muslimischen Jugendwerk (MJW), Netzwerk gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus (NIR), muslimisches Zentrum für Mädchen, Frauen und Familie e.V. (RAHMA) und Rat Muslimischer Studierender und Akademiker (RAMSA). Wir freuen uns auf einen guten Austausch im folgenden Jahr mit den Delegierten aus den Mitgliederorganisationen FAIR International e. V., Inssan e. V., Mosaik e. V., Muslimische Jugend in Deutschland e. V. und Verband binationaler Familien und Partnerschaften (Standort Leipzig).